ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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'Ich bin angekommen, ich bin zuhause' ist der kürzeste buddhistische Vortrag, den ich je gehalten habe.- 'Ich bin angekommen, ich bin zuhause' bedeutet: 'Ich möchte nicht mehr rennen'. Du brauchst diese Einsicht, um Dich wirklich im Hier und Jetzt anzusiedeln und das Leben mit all‘ seinen Wundern zu umarmen. “ (übersetzt aus dem Englischen)

Thich Nhat Hanh

Bei sich zu Hause angekommen sein!
Der Weg zum SELBST

Neben der aktuellen Information über das Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe 'ZENtrum aktuell', Autoren und ihre Veröffentlichungen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums wie auch mit denen meines Buches 'Das Leben leben' eng verbunden sind. Diese Anlage bezieht sich auf das Thema, das Thich Nhat Hanh mit diesem Ausspruch anspricht, "Bei sich angekommen zu sein, bei sich zuhause sein".


Was 'Zuhause sein' bedeutet.

Wenn ich darüber nachdenke, was es bedeutet 'zuhause sein', fällt mir als erstes das Gefühl von Geborgenheit ein. Man ist mit etwas Vertrautem umgeben, was eine gewisse Sicherheit bewirkt und Vertrauen schafft. Man erlebt ein Gefühl von Verbundenheit, fühlt sich einfach wohl.

Dies will wohl auch dieses Zitat "Ich bin angekommen, ich bin zuhause" ausdrücken. Man braucht nicht mehr zu "rennen", man braucht nichts mehr außerhalb von sich etwas zu suchen. Es ist alles in einem selbst. Thich Nhat Hanh sagt, dass man diese Einsicht braucht, um im Hier und Jetzt, das heißt, ganz im Leben von Augenblick zu Augenblick anwesend zu sein, um 'das Leben mit all seinen Wundern zu umarmen'.

Diese Einsicht kann aber nur kommen, wenn man bereits dieses 'Zu Hause' bei sich gefunden hat. Es ist, wie in der Geschichte vom 'verlorenen Sohn': Irrwege, Glaubensmuster und Illusionen sowie der Glaube, Glück und Erfüllung in der äußeren Welt finden zu können, sind die Hindernisse, die es so schwer machen, zu dieser Einsicht zu kommen. Es sind materielle Werte, von denen man glaubt, dass sie einen glücklich machen. Man meint, Menschen in einer Beziehung zu brauchen, und erwartet von ihnen, dass sie einem dieses 'Zuhause' geben. Es scheint unvorstellbar zu sein, dass man das Glück nur bei sich selbst finden kann. So 'rennt' man immer wieder aufs Neue von sich selbst fort, um in der äußeren Welt das zu finden, was man so sehnlichst sucht.

Diese Erfahrung von "bei sich zuhause zu sein", ist ein untrennbar mit Stille verbunden. Wer diese Stille in sich gefunden hat und in diesem Zustand ganz präsent sein kann, der wird sein 'Inneres zu Hause' und das, was Thich Nhat Hanh mit diesem Zitat ausgedrückt hat, wahrnehmen können. Aber genau das fällt vielen Menschen so schwer, Stille zu ertragen. Das kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass diese Menschen meinen, sehr schlecht allein sein zu können. Dieses wirklich bewusste gewollte Alleinsein im Gegensatz zur Einsamkeit, geschieht überwiegend in Stille. Solche Menschen meinen auch, dass Meditieren nichts für sie ist. Es fällt ihnen schwer, diese Stille auszuhalten, was sie dann dadurch vermeiden, indem sie Geräusche um sich schaffen wie Radio, Fernsehen und laute Musik. Sie „rennen“ tatsächlich wie bei einer Flucht ständig vor sich selbst davon. Sie sind von sich selbst entfremdet und können auch nicht wahrnehmen, was in ihnen selbst vorgeht, wie Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte. Sie wollen es auch nicht, denn da kann sehr viel Unerledigtes und Unverarbeitetes ins Bewusstsein gelangen, was schmerzhaft sein kann, zumindest sehr unangenehm ist. Stattdessen wird man von unkontrollierten Gedanken und unbewusst wirkenden Konditionierungen beherrscht. Dieses Leben kann man einem Roboter vergleichen, der von Programmen gesteuert wird. Es kann zu einem Albtraum werden, der dann häufig in etwas endet, was man Burnout nennt. Man "rennt" also tatsächlich von seinem wirklichen 'Zu Hause' ständig davon. Die Folgen drückt Eckhart Tolle sehr einleuchtend mit diesem Zitat aus:

Wenn Du den Kontakt mit deiner inneren Stille verlierst so verlierst Du den Kontakt mit dir selbst.Wenn Du den Kontakt mit dir selbst verlierst, verlierst du dich selbst in der Welt.

Eckhart Tolle in 'Stille spricht'

Dieser Kontakt mit sich selbst kann man auch als den Kontakt mit seinem SELBST, dem Transpersonalen Selbst als Begriff der Psychosynthese, ausdrücken.

Der Weg zu seinem wirklichen Zuhause ist der Weg zur inneren Stille und damit auch zu seinem wahren Selbst. Wenn wir in Kontakt mit dieser inneren Stille sind, erfahren wir, was wir in unserer wahren Natur wirklich sind. In diesem Zustand können wir auch unsere innere Stimme wahrnehmen, die Stimme unseres SELBST. Es ist unsere innere Weisheit, die wir in uns haben, wenn wir mit ihr in Kontakt sind. Eckhart Tolle beschreibt dies im bereits zitierten Buch so:

Brauchst du mehr Wissen? Brauchen wir mehr Information, um die Welt zu retten. Oder schnellere Computer, mehr wissenschaftliche oder intellektuelle Analysen? Brauchen wir nicht am nötigsten Weisheit in dieser Zeit? Aber was ist Weisheit und wo kann man sie finden? Weisheit kommt aus der Fähigkeit, still zu sein. Schaue einfach und horche. Das ist nichts mehr, was wir brauchen. Still sein, schauen und lauschen aktiviert die nicht-konzeptuelle Intelligenz in dir.Lass die Stille deine Worte und Aktionen lenken.

Eckhart Tolle - Stille spricht

Wenn man das so annehmen kann, so versteht man auch, was die Folgen dieser Einsicht sind:

Du brauchst diese Einsicht, um Dich wirklich im Hier und Jetzt anzusiedeln und das Leben mit all‘ seinen Wundern zu umarmen.

Thich Nhat Hanh

Für diejenigen, die den Weg zu ihrem inneren Zuhause gehen möchten oder auch bereits gehen, Links zu bisherigen Anlagen zu diesem Thema und der damit verbundene Literatur:

Die Ursache, weshalb es so schwierig ist, sein Zuhause bei sich zu finden, kann auch darin bestehen, dass man immer noch zu sehr mit seinem Inneren Kind identifiziert ist, was bedeutet, noch nicht wirklich erwachsen zu sein. Für sein Inneres Kind einen Inneren Erwachsenen zu entwickeln und dann überwiegend als ein reifer Erwachsener zu leben wird hier beschrieben:

In dem von mir verfassten Buch "Das Leben leben!" wird der Weg zum SELBST als der Weg zur Stille auf den Seiten 153 bis 165 ausführlich beschrieben.



Original-Zitat

" 'I have arrived, I am home' is he shortest Dharma Talk I ever have given. 'I have arrived, I am home' means 'I don’t want to run anymore'. You need that insight in order to be truly established in the here and now, and to embrace life with all its wonders."

Thich Nath Hanh