ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
☰ MENÜ

ZEIT – Der Stoff, aus dem das Leben ist
-Eine Gebrauchsanleitung

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 3/4 2007Zeit und Leben

Neben der aktuellen Information über das Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe "ZENtrum aktuell" Autoren und ihre Publikationen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums eng verbunden sind. Anliegen dieses Briefes ist es, das Buch "ZEIT - Der Stoff aus dem das Leben ist" von Stefan Klein vorzustellen.

Stefan Klein

Kurz-Biographie: Jahrgang 1965; Studium der Physik und Philosophie, Promotion über Biophysik. Von 1996 bis 1999 Mitglied der Spiegel-Redaktion; 1998 Georg-von-Holtzbrink-Preis für Wissenschaftsjournalismus. Seit 2000 freier Autor. Sein Beststeller "Die Glücksformel" wurde in 24 Sprachen übersetzt; 2004 erschien, wieder mit großem Erfolg, "Alles Zufall". Stefan Klein lebt in Berlin. (Text dem Umschlag des Buches entnommen

Einleitung: Die Entdeckung der inneren Zeit

Auszüge:
"'Zeit ist der Stoff, aus dem das Leben besteht', schrieb der amerikanische Erfinder und Staatsmann Benjamin Franklin. Doch ist Zeit unseres Lebens wirklich identisch mit dem, was die Uhren anzeigen? Manche Stunden rasen dahin, andere scheinen sich unendlich zu dehnen. Der große Zeiger hat aber ungerührt wie immer seine Runde gemacht. Es scheint, als sei mit dem Lauf der Uhren eine andere, zweite Zeit verwoben: Eine Zeit, die in uns selber entsteht." (Seite 10)
"Umso dringender gilt es zu erkennen, in welchem Maß die empfundene Zeit an unserer Persönlichkeit hängt. Ob wir uns ruhig oder gehetzt fühlen, ob wir auf erfüllte Jahre zurückblicken oder auf Leere, ist eben nur zum kleineren Teil Folge der Umstände, unter denen wir leben. Der Film unseres Lebens entsteht im Kopf. Und wir sind seine Regisseure. Denn nur wenige Leistungen des Gehirns lassen sich so leicht und so schnell verändern wie der so genannte Zeitsinn. Von der Natur ist dem Verstand nur das fest einprogrammiert, dass wir das Vergehen der Minuten und Stunden empfinden. Doch wie wir es tun, bestimmen wir selbst. Indem wir die eigene Wahrnehmung und Aufmerksamkeit schulen, wandelt sich auch das Empfinden der Zeit. Wir können die Angst hinter uns lassen, im Strudel der Zeit zu ertrinken. Es steht uns frei, das Schwimmen zu lernen – und uns vom Strom der Zeit tragen zu lassen." (Seite 16)

Teil 1: ZEIT ERLEBEN

Auszüge:
"Gewöhnlich denken wir uns die Zeit wie einen gleichförmigen Brei, von dem jeder Löffel so schmeckt sie der Rest auf dem Teller. Wir stellen uns vor, dass 60 Sekunden eine Minute ergeben, 60 Minuten eine Stunde, 24 Stunden einen Tag. Und jede Einheit ist nichts weiter als ein Bruchteil der nächst größeren. Doch unser Zeiterleben funktioniert anders. Was uns einen Augenblick wahrnehmen lässt, hat nichts mit den Vorgängen zu tun, dank derer wir eine Stunde im Wartezimmer als unerträglich empfinden oder die uns mittags Magenknurren verspüren lassen. Wenn wir uns in eine fremde Welt wie die einer Höhle begeben, werden diese Unterschiede rasch offenbar. Im Alltag entgehen sie uns, weil unser Blick im Zweifel sofort auf die Uhr schweift, die alle Zeiten gleich misst. Damit setzen wir uns ungewollt und meistens auch unbewusst in Gegensatz zu unserer Natur. Auch darum muss uns das Gleichmaß der Uhren wie eine tyrannische Macht erscheinen. Wir haben die Freiheit, uns eine viel reichere Erfahrung der Zeit zu gestatten. Eine Stunde ist oft mehr, manchmal auch weniger als die Summe ihrer Minuten. Und ein Tag besteht nicht einfach nur aus 24 Stunden"
(Seiten 28-29)
"Wer seine Tage und Nächte im Einklang mit der Zeit seines Körpers verbringt, macht sich das Leben leichter; doch wissen wir häufig gar nicht, wann unsere starken und schwachen Stunden sind. Voraussetzung für einen besseren Tagesablauf ist es also, sich Fragen zu stellen: Wann wache ich auf, wenn kein Wecker klingelt? Wie lange brauche ich, um meine Sinne beisammen zu haben? Welche Tätigkeiten fallen mir vormittags und welche nachmittags leichter? Gibt es ein wiederkehrendes Muster, nach dem im Lauf eines Tages meine Stimmung schwankt?"
(Seite 51)
"Stets ist das Erleben von Zeit für uns mit einem Ereignis verbunden - sei es mit einer Bewegung oder einer Erinnerung. Es kann Spaß machen, in einen Himmel zu schauen, der einfach nur wolkenlos blau ist. Wir sehen dann diese Farbe in Reinform, ohne einen Gegenstand, der sie trägt. In der Zeitwahrnehmung wäre so etwas unmöglich. Reine Zeit existiert für uns nicht. Zeit erleben wir nur, wenn etwas geschieht."
(Seite 71)
"Wie wir eine Dauer erleben, hängt nicht vom Maßstab ab, den das Gehirn zum Abschätzen der vergangenen Zeit heranzieht. Entscheidend ist zudem, wie aufmerksam wir bei der Sache sind. Ist das Bewusstsein nebenher mit anderen Dingen beschäftigt, unterschätzen wir die verflossene Zeit; sind wir ganz präsent –dehnen sich die Sekunden."
(Seite 78)
"Die stärkste Macht über das Empfinden der Zeit aber üben wir durch die Aufmerksamkeit aus. Das Zeitgefühl arbeitet nicht bloß automatisch, es ist auch eine Leistung des bewussten Verstandes. So können wir steuern, wie lang oder wie kurz wir eine Spanne empfinden wollen."
(Seite 84)
"Wer sich über den Wert eines Augenblicks im Klaren ist, will ihn um so genauer erspüren. Sinne und Gedächtnis sind voll auf Empfang, und jeder Eindruck, den sie aufnehmen, bremst die Zeit, die wir empfinden. Der Effekt wird noch stärker, wenn man die Aufmerksamkeit auf alle auch noch so unscheinbaren Veränderungen richtet, weil das Gehirn aus dieser Information die Dauer erschließt. Unter den vielen Merkwürdigkeiten unseres Zeiterlebens ist diese besonders faszinierend: Gerade das Bewusstsein, dass die Zeit flüchtig ist, verlängert die Zeit."
(Seite 84)
"Die japanische Tradition versteht die Teezeremonie als Möglichkeit zur inneren Einkehr und sogar als Weg zur Erleuchtung. Westliche Betrachter sehen darin vor allem eine Wahrnehmungsübung, welche die Sinne und damit auch das Zeitempfinden schärft. Die Teezeremonie erinnert die Teilnehmer daran, wie wenig das vermeintliche Rasen der Zeit gegeben ist, dass wir vielmehr selbst unser Erleben der Minuten und Stunden beeinflussen. Und sie zeigt, wie sich eine Insel in der Zeit schaffen lässt. Denn Muße heißt, dass es gelingt, ferne der Pläne und Sorgen mit der Gegenwart Bekanntschaft zu schließen: Man kostet jeden einzelnen Augenblick als einen ganz besonderen heraus." (Seite 86)
"Weise in West und Ost legen uns ans Herz, die Aufmerksamkeit ganz auf den Augenblick zu richten. 'Wandelt in der Gegenwart Gottes' riet Benedikt von Nursia seinen Mönchen. Der Weg zum Seelenheil liege darin, sich mit allen Sinnen und ungeteilt auf das einzulassen, was man gerade hört, sieht oder tut, schrieb Benedikt in seiner Ordensregel, der ältesten des Abendlandes. In der östlichen Tradition heißt diese Empfehlung 'Leben in Achtsamkeit'. Schon vor mehr als 2500 Jahren hat sich der Buddha dafür ausgesprochen. Sich ganz der Gegenwart zuzuwenden, nannte er sogar den vorletzten Schritt auf dem edlen achtfachen Pfad zu Erleuchtung. Die Weisen wussten, wie leicht gesagt und wie schwer getan das ist. Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh etwa schildert eine kleine Begebenheit: Als er einmal mit einem Freund unter einem Baum sitzt und Mandarinnen isst, erzählt dieser von seinen Zukunftsplänen und stopft sich währenddessen achtlos die Obststücke in den Mund. Ins Reden vertieft, schiebt er schon den nächsten Bissen nach, noch bevor er mit dem Kauen des vorigen begonnen hat:" Es war so also ob er gar keine Mandarine gegessen hatte. Wenn er irgendetwas gegessen hatte, dann vielleicht seine Zukunftspläne."
(Seite 105)
"Wer seine Wahrnehmung trainiert und lernt, mehr von der Gegenwart mitzubekommen, wird gleich zwei Nebenwirkungen bemerken: Zum einen verändert sich das Zeitempfinden. Je mehr Sinneseindrücke man von jedem Augenblick aufnimmt, desto reicher und ausgedehnter erscheint die Zeit in der Rückschau. Eine Stunde voll angeregter Unterhaltung erscheint im Nachhinein viel länger als eine, in der man geistesabwesend vor sich hingeträumt hat. Indem wir unserer Zeit mehr Leben geben, geben wir auch dem Leben mehr Zeit."
(Seite 117)
"Wer in der Gegenwart präsent ist, nimmt die Augenblicke, aus denen das Leben besteht, deshalb nicht nur genauer wahr – er kann sie auch besser genießen."
(Seite 118)
"Wir leben in zwei Arten von Zeit, die zwar in dieselbe Richtung, doch mit ganz verschiedener Geschwindigkeit fließen: Das äußere Alter wird nach Kalenderjahren gezählt. Die Masse an Zeit, auf die wir zurückblicken, ergibt sich allein aus unserer Geschichte. Wenn zwei Menschen ihren fünfzigsten Geburtstag feiern, kann der eine ohne weiteres doppelt soviel Erfahrungen erinnern wie der andere. Sein bisheriges Leben wird ihm daher nicht nur reicher, sondern auch zweimal so lange erscheinen." (Seite 161)
"In Europa messen wir das Alter daran, wie oft die Erde seit unserer Geburt die Sonne umrundete. Kulturen hingegen, die Alter mit Weisheit gleichsetzen, lassen sich vom Verständnis der innere Zeit leiten: Nicht hinter sich gebrachte Jahre, allen Erfahrungen machen die weise Frau und den weisen Mann aus."
(Seite 162)

Teil 2: ZEIT NUTZEN

Zu diesem Teil sagen bereits die Überschriften aus, um was es geht:
Droge Geschwindigkeit- Wieviel Tempo halten wir aus?
Des Lebens Überfülle-warum es so schwer ist, bei der Sache zu bleiben
Die Uhr der anderen- Warum wenig Zeit kein Stress sein muss
Herren unserer Zeit- Auf die Motivation kommt es an

Auszüge:
"Wie aber entsteht dieses beklemmende Gefühl der Zeitnot? Was genau bedeutet es, 'keine Zeit zu haben'? Wie lässt sich ein immer schnelleres Lebenstempo bewältigen? Dieser zweite Teil des Buches soll untersuchen, wie wir mit der knappen Zeit umgehen. Er geht der Frage nach, ob Mangel an Zeit entscheidend für das Gefühl der Hetze ist, das so viele Menschen quält und kommt zu dem Schluss, dass sich das Unwohlsein vielmehr aus drei anderen Quellen speist. Nicht zu wenig Zeit und ein von außen aufgezwungener zu schneller Takt sind die Wurzeln des Problems, sondern drei Faktoren, die unserem Innenleben entspringen:
Unkonzentriertheit, Stress und Unlust
Jedem dieser drei Zeiträuber und den Wegen, mit ihnen fertig zu werden ist eines der folgenden Kapitel gewidmet. Dieses Kapitel betrachtet als Grundlage die Geschichte und die Symptome der Beschleunigung, der wir uns ausgesetzt sehen.
Die Empfehlung des Autors am Ende dieses Teiles:
Stellen Sie sich selbst eine Woche lange vor Beginn jeder Tätigkeit eine kurze Frage: Muss ich das tun? Und was geschieht, wenn ich es lasse? Seien Sie ehrlich: Sie werden überrascht sein, wie viele der vermeintlichen Zeiträuber Ihnen durchaus gelegen kommen.

Teil 3: Was Zeit ist

Dieser Teil hat nur ein Kapitel, das lautet: Die Entmachtung der Uhren - Ist Zeit nur eine Illusion?
Dann folgt ein Epilog:
"Eine neue Kultur der Zeit= - Sechs Schritte für ein entspanntes Leben."
Aus diesem Epilog hier die Überschriften zu diesen sechs Schritten:

  1. Souveränität über die Zeit>
  2. In Einklang mit der Körperuhr leben
  3. Die Muße kultivieren
  4. Die Augenblicke erleben
  5. Konzentration lernen
  6. Seinen Vorlieben folgen

Anmerkung: Ich habe überwiegend Zitate aus dem ersten Teil dieses Buches aufgeführt, weil Achtsamkeit und Bewusstheit zentrale Themen des ZENtrums und seines Programms sind. Besser und überzeugender wie es durch den Autor hier aufgezeigt wird, kann man die Auswirkungen dieser beiden Qualitäten auf sein Leben nicht beschreiben.


Stefan Klein=
ZEIT - Der Stoff aus dem das Leben ist
=
S. Fischer Verlag
ISBN= 13-978-3-10-039610-5

Mehr Informationen über den Autor Stefan Klein : www.stefanklein.info