ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Der Wille zur Macht - Hans Piron

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 11/12 2016 :
Neben der aktuellen Information über das Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe "ZENtrum aktuell", Autoren und ihre Veröffentlichungen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums wie auch mit denen meines Buches „Das Leben leben“ eng verbunden sind.
Deutlich zu machen, warum es so wichtig ist, eine positive Einstellung zur eigenen Macht zu haben und dann auch von ihr Gebrauch zu machen, ist das Anliegen der folgenden Ausführungen.

Von seiner Macht Gebrauch machen wollen

Erfahrungsgemäß löst diese Überschrift bei vielen Menschen bereits ein Unbehagen aus, sind doch beide Begriffe aus Erfahrung häufig negativ besetzt. Als Kind wurde einem vermittelt, dass man nichts zu wollen hat. Später wird Wille dann überwiegend mit mit Kraft und Stärke, assoziiert, die man braucht, um seine Ziele zu erreichen.

Macht wiederum wird überwiegend mit Missbrauch verbunden. Man benutzt andere, um dominieren und sie manipulieren zu können. Besonders geschieht dies bei Abhängigkeiten, zum Beispiel der Kinder von ihren Eltern und von anderen Bezugspersonen, später dann auch im Beruf in einer Abhängigkeit vom Arbeitgeber und von Vorgesetzten. Hier wird Macht sehr häufig missbraucht.
Da gibt es schließlich auch die „Mächtigen“ auf dieser Welt, die andere unterdrücken und sie für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. So ist es kein Wunder, dass so viele die Tatsache ablehnen, Macht zu haben bzw. mächtig sein können. Mit Egoismus und Machtmissbrauch will man nichts zu tun haben. Es ist eben diese egozentrische Grundhaltung, der Mangel an Verbundenheit und Liebe, die diesen Missbrauch von Macht bewirken.

Der Wille zur Macht muss daher mit dem Willen zur Verbundenheit in Einklang sein. Das erfordert die Bereitschaft, aus einem Bewusstsein von Verbundenheit und von Liebe, zu denken und zu handeln. Lebt man aus dieser Verbundenheit, sowohl mit sich selbst als auch der äußeren Welt, dann bekommt der Wille zur Macht eine neue Bedeutung. Diese Macht gehört dann zum Leben, denn das Gegenteil bedeutet 'ohnmächtig', ohne Macht zu sein. Man gibt dann seine Macht automatisch an andere Menschen ab und überträgt damit auch die Verantwortung für seine Zufriedenheit und sein Glück an andere. Dies ist leider sehr häufig bei solchen Menschen der Fall, die bedürftig nach der Zuneigung, dem Wohlwollen, der Liebe anderer sind. Das Thema "Inneres Kind" hätte ansonsten nicht diesen hohen Stellwert und diese Attraktivität, denn hier geht es im Kern darum, wieder die Verantwortung für seine innere Zufriedenheit und sein Glück selbst zu übernehmen. Die Autoren Chopich und Paul, drücken dies so deutlich in ihrem Buch "Aussöhnung mit dem Inneren Kind" als eine wesentliche Bewusstseinsänderung aus, wenn der "Innere Erwachsene" mit dem "Inneren Kind" in Kontakt ist.
Dann gilt diese Affirmation:
"Ich habe die Macht und die Kraft, mich selbst glücklich zu machen!"

Machtlosigkeit, führt zu einem Mangel an Energie. Daher fehlt diesen 'ohnmächtigen' Menschen die notwendige Energie, um Einsichten in das, was ihnen gut tut, und die damit verbundenen Ziele zu erreichen. Je nach dem Grad von Abhängigkeit von anderen wird auch diese Ohnmacht erfahren. Das Unbewusste, der Autopiloten im Gehirn, bestimmt das Denken und das Tun. Man lebt nicht wirklich selbst, man wird gelebt. Man wird zum Beispiel von dem Bedürfnis gesteuert, die Erwartungen des Umfeldes und anderen Menschen zu erfüllen, damit es einem gut geht.

Was kann man nun tun, um sich dieser Macht wieder neu oder wieder mehr bewusst zu werden und dann auch Gebrauch davon zu machen?

Folgende Voraussetzungen sind hierfür notwendig:

  • Das Bemühen, präsent, in der Gegenwart und damit bewusst zu sein. In diesem Zustand hat man eine Wahl, zu wählen, was man selbst wirklich will, bewusst ja und nein sagen zu können. Diese Wahlmöglichkeit ist die Grundlage für diese eigene Macht. Sie ist der Ausdruck meiner inneren Freiheit, die mir niemand nehmen kann, wenn ich sie mir nicht nehmen lasse. Auf der Landkarte der Psychosynthese ist das ICH das Machtzentrum, aus dem ohne Identifikationen wahrgenommen wird und in dem man eine Wahl hat.
  • Das Aushalten von Reaktionen anderer zu meiner Entscheidung, wenn sie nicht deren Wohlwollen und Zustimmung zur Folge haben.
    Anders ausgedrückt, dass man ein Grollen und sich ein mögliches Zurückziehen des anderen akzeptieren kann. Dieses Verhalten ist auch wiederum ein Ausdruck meiner inneren Freiheit, sich nicht vom Wohlwollen und der Zuneigung anderer abhängig zu machen.
  • In gutem Kontakt mit sich selbst, seinen Bedürfnissen und seinen Wünschen zu sein.
    Das ist wichtig, damit man weiß, was man wirklich will, was einem gut tut, was einem Freude macht. Das Modell 'Innerer Erwachsener' in Beziehung zum 'Inneren Kind' ist hierbei hilfreich.
  • Aus einem Bewusstsein von Verbundenheit zu handeln.
    Das heißt, dass man auch die Bedürfnisse und Wünsche anderer einbezieht, wenn man eine Entscheidung zu treffen hat. Auch hier kann man wiederum wählen, ob man der Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse den Vorrang gibt oder sich entscheidet, den Bedürfnissen anderer Priorität zu geben. In einer Partnerschaft entsteht bei dieser Grundhaltung beider ein ständiges Geben und Nehmen, was eine wirkliche Liebesbeziehung kennzeichnet.

Eine Übung zum Thema 'Macht und Wille'

Welche Auswirkungen ein Leben aus der inneren Freiheit und der damit verbunden Macht auf ihr Wohlbefinden haben, d.h. wenn Sie selbst die Verantwortung für das Glück und die Zufriedenheit in Ihrem Leben übernehmen, können Sie durch diese Übung herausfinden.
Nehmen Sie einen Notizblock und schreiben Sie:

Ich fühle mich stark und mächtig, wenn ich…

Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt, wenn sie diesen Satz ständig im Geiste wiederholen.
Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, beenden Sie diese Übung und lesen Sie das, was Sie geschrieben haben, laut vor. Fühlen und spüren Sie sich dabei, wie es ihnen dabei geht, wenn Sie diese einzelnen Antworten hören.
Sie werden wahrscheinlich erkennen, dass Sie sich unterschiedlich fühlen, je nachdem, ob Sie von Ihrer Macht und Ihrer Freiheit Gebrauch machen oder diese Macht an andere geben.

Fazit

Sie haben die Wahl, ob Sie in Zukunft das Steuer für Ihr Leben mehr selbst in die Hand nehmen wollen und bewusst ihre Ziele anzusteuern oder steuerlos Ihr Lebensschiff den Einflüssen von außen auszusetzen. Wenn Sie diesen Willen zur Macht in Ihr Leben mehr integrieren wollen, können Sie damit gleich beginnen. Versuchen Sie nach und nach, die oben beschriebenen Voraussetzungen im Alltag umzusetzen. Es lohnt sich!


Autor: Hans Piron


Weiterführendes zu diesem Thema:

Ausführlicher wird dieses Thema auch in diesem Buch behandelt.