ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Transpersonale Verhaltenstherapie
-Von der Stagnation zur Transformation

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 5/6 2007 - "Transpersonale Verhaltenstherapie"

Neben der aktuellen Information über das Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe "ZENtrum Aktuell" Autoren und ihre Veröffentlichungen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums eng verbunden sind.
Mit diesem Brief möchte ich das Buch "Transpersonale Verhaltenstherapie" von Harald Piron vorstellen.

Harald Piron
(entnommen der Rückseite des Buchumschlages)

Dr. phil. Dipl.-Psychologe und Psychotherapeut mit verschiedenen Ausbildungsabschlüssen.
Er meditiert seit 1986, therapiert seit 1993 und promovierte zu den Tiefenbereichen unterschiedlicher meditativer Richtungen. Er ist Vorsitzender der 'Society for Meditation Research', Mitherausgeber ihres Journals und Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift 'Transpersonale Psychologie und Psychotherapie' ". (Ende des Textes)

Als Vater des Autors möchte ich etwas Persönliches einbringen. Da ich selbst als Psychotherapeut (HPG) arbeite, könnte man auf die Idee kommen, dass hier der Sohn in die Fußstapfen des Vaters getreten ist. Das ist aber keineswegs so gewesen. Wir haben unabhängig voneinander begonnen zu meditieren und uns für die transpersonale Psychologie zu interessieren. Bei einem Seminar, das wir gemeinsam besucht haben, wurden wir auf das Buch von Assagioli "Handbuch der Psychosynthese" aufmerksam. Jeder von uns beiden hat dieses Buch dann gekauft und wir waren beide von der Psychosynthese sehr angetan. Später haben wir dann zur unterschiedlichen Zeiten und bei verschiedenen Instituten die Ausbildung zum Psychosynthese-Therapeuten absolviert.
Durch den Austausch unserer Erfahrungen und Erkenntnisse bei unserer Entwicklung ist eine Verbundenheit entstanden, die weit über die Vater-Sohn Beziehung hinausgeht. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was ist transpersonale Psychologie?

Zuvor noch kurz eine kurze Erläuterung für diejenigen, die mit dem Begriff "transpersonal" noch nicht so vertraut sind. Die Transpersonale Psychologie überschreitet den personalen Bewusstseinsraumes, in dem der Verstand und das Denken angesiedelt sind, zu einem Bewusstseinsraum, der auch als transpersonale Ebene bezeichnet wird, in der Psychosynthese auch Überbewusstes genannt wird. Hier sind Intuition, Inspiration und Kreativität angesiedelt. Wenn diese transpersonale Ebene in die Psychotherapie einbezogen wird, so werden diese spirituellen Kräfte zu einem Teil des therapeutischen Prozesses. Das kann man dann auch spirituelle Psychotherapie nennen. Harald versucht mit diesem Buch, diese transpersonale Ebene auch in die Verhaltenstherapie zu integrieren.

Transpersonale Verhaltenstherapie
- Von der Stagnation zur Transformation

Zunächst eine Erklärung zu diesem Buch, deren Text ich der Rückseite des Umschlagdeckels entnommen habe:

"Eine lerntheoretisch begründete und meditationsorientierte Psychologie führt zur seelischen Gesundheit und spirituellen Reife.
Mit diesem Buch liegt das erste Therapiehandbuch vor, das die Grundlagen und Methoden der Transpersonalen Verhaltenstherapie sehr anschaulich darstellt und anwendbar macht. Es ist sowohl für Therapeuten als auch für Interessierte geeignet. Die Transpersonale Verhaltenstherapie (TVT) ist ein wissenschaftlich fundierter, lerntheoretisch begründeter Ansatz, der sich vor allem bei neurotischen und spirituellen Krisen bewährt hat. Er kann auch hervorragend im Rahmen eines Selbstmanagement-Trainings angewandt werden. Der Autor entwickelte diesen sehr klaren und tiefgehenden Ansatz seit 1993. Er vermittelt Modelle zur Analyse der Bedingungen des Bewusstseins und Verhaltens, die für die Entstehung und Heilung von personalen und transpersonalen Störungen von zentraler Bedeutung sind. In gut nachvollziehbaren Schritten wird der Leser mit Hilfe vieler Übungen und Fallbeispiele durch den jeweiligen Veränderungs- und Wachstumsprozess geführt. Darüber hinaus geht es um das seelische und spirituelle Erwachsenwerden."(Ende des Textes)

Schwerpunkte des Buches für Interessierte an einem Selbstmanagement-Training

Da Harald die speziellen Aspekte für die therapeutische Arbeit in seinem Seminar "Personale und Transpersonale Krisen" selbst vermittelt, werde ich im folgenden überwiegend mehr auf das eingehen, was für jeden, der sich persönlich und spirituell weiter entwickeln möchte, interessant ist.

Das erste Kapitel lautet "Über die kognitive zur transpersonalen Wende".

Harald beschreibt hier zunächst die Entwicklung von der Humanistischen zur Transpersonalen Psychologie und die Notwendigkeit einer transpersonalen Wende in der Verhaltenstherapie.

Im zweiten Kapitel erläutert er drei Arten von Verhalten und Erleben:

  • Das Subpersonale und Personale Verhalten und Erleben
  • Das Transpersonale Verhalten und Erleben
  • Das Transpersonale Modell-Lernen

Zum dritten Kapitel ausführliche Auszüge aus den oben genannten Gründen:

Die drei Matrizen (Seite 46-50)

In Anlehnung an Assagioli werden drei Ebenen des Bewusstseinsraumes unterschieden. Je nachdem mit welcher Bewusstseinsebene man sich identifiziert, schafft man eine entsprechende Wirklichkeit. Es gibt keine absolute Wirklichkeit, sondern immer nur die Wirklichkeit, in der wir leben, die wir erfahren und die unsere Bewusstseinsebene entspricht.

Es werden drei Matrizen als Selbstbild unterschieden:

  • Erste Matrix: Ich bin, was ich geworden bin.
  • Zweite Matrix: Ich bin, was ich bin.
  • Dritte Matrix: Ich bin, was ich werde.

Auszüge aus dem Text zur ersten Matrix

"In dieser Matrix erleben wir Zeit als lineare, kontinuierliche Fortsetzung des bereits Bekannten. Wir leben in der Vergangenheit, ohne es zu merken. Gegenwart ist im Prinzip nichts anderes als die Fortsetzung der Vergangenheit, da wir an den Strukturen des konditionierten Denkens, Erlebens und Verhaltens festhalten. Diese Erlebnisweise von Wirklichkeit und Art der Lebensgestaltung stellt für viele Menschen das normale Alltagsbewusstsein dar. Alles bleibt beim Alten. Dadurch wird ein Gefühl von (Schein-)Sicherheit erfahren. Verbesserung auf dieser Ebene bedeutet immer nur ein Mehr dessen, was als angenehm oder erwünscht definiert wird, oder eben eine Vermeidung, Minimierung oder Aufschiebung dessen, was als unerwünscht und unangenehm erscheint. Krankheit und Tod werden in dieser Dimension so weit weggeschoben, bis sie außer Sicht geraten sind, und Genuss und Bequemlichkeit werden nach vorne in den Mittelpunkt gerückt. Die Ironie des Schicksals zeigt jedoch, dass ein solcher Lebensstil Krankheit magisch anzieht. Gewohnheiten, Zwänge und Süchte werden durch dieses Prinzip begünstigt und aufrechterhalten. Je länger eine Gewohnheit besteht, desto schwieriger wird es, sie zu durchbrechen. Die einzige Möglichkeit besteht in dem 'Quantensprung' zur zweiten Matrix."

Auszüge aus dem Text zur zweiten Matrix

"Hier handelt es sich um die Dimension der psychologischen Gegenwart. Wenn das Bewusstsein auf dieser Ebene erwacht, erkennt es, dass die Vergangenheit immer in der Gegenwart endet. Von dieser Warte ist die Vergangenheit das, was sie ist: vergangen. Die Zeit endet immer in der Gegenwart. Also gibt es die Zeit nicht aus sich selbst heraus, sondern bloß als Denkkontinuum des Verstandes. Wenn die Gedanken zur Ruhe kommen, endet auch der mentale Eindruck von Zeit. Vergangenheit hat es nie gegeben. Doch da der Verstand die Veränderung zumeist nicht bereitwillig akzeptiert, hält er sich gerne in der Vergangenheit auf oder macht die Gegenwart zur Vergangenheit. - Alles, was er über die Welt und das Leben zu wissen glaubt, basiert auf vergangener Erfahrung. Wenn der Mensch sich also nur auf seinen Verstand verlässt, erlebt und lebt er automatisch seine Vergangenheit in der Gegenwart. Doch die Gegenwart, so wie sie wirklich ist, kann nicht mit dem Verstand erfasst werden. Panik ist ein Ausdruck von Angst, ihn zu verlieren. Sie ist die Angst des Verstandes vor dem eigenen Tod, vor der eigentlichen Endlichkeit. In die Gegenwart hineinzusterben bedeutet, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Das gelingt nur, wenn sich der Verstand dem gegenwärtigen Moment ganz hingibt.

Ohne die dritte Matrix würde sich der Mensch allerdings treiben lassen wie ein Segelboot von den unkontrollierbaren Winden. Es gäbe keinen weiteren Sinn im Leben als die Wahrnehmung dessen, was ist. Der Fluss der Veränderungen wird zwar wahrgenommen, ergibt jedoch keinen Sinn, da er keine Richtung zu haben scheint. Man selbst ist dabei völlig passiv, wie ein Floß, das von den Wogen des Meeres (n)irgendwo hingetragen wird. –
Bezogen auf das Selbst-Erleben bedeutet die zweite Matrix, ohne Vergangenheit zu leben. Das Motto lautet:"Ich bin, was ich bin."

Zur dritten Matrix

Bei der dritten Matrix, "Ich bin, was ich werde." handelt es sich um die Dimension der psychologischen Zukunft, die Assagioli als das " Überbewusste" bezeichnete. Dadurch ist der Mensch in der Lage, seinem Leben eine sinnvolle Richtung, Bedeutung oder Bestimmung zu geben und sich weiterzuentwickeln. Assagioli pflegte zu sagen: "Es gibt immer noch mehr Potenzial zu entwickeln. Denke niemals, du wärst am Ende deiner Reise angekommen."
Gegenwart aus der Sicht der ersten Matrix ist die Fortsetzung der Vergangenheit, aus der Sicht der zweiten Matrix das Ende der Vergangenheit und aus der Sicht der dritten Matrix das Potenzial, die Ursache und der Beginn der Zukunft. "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum". Dies setzt jedoch voraus, dass ein solcher Traum erstens existiert und zweitens in Wach-Bewusstsein geholt wird.
Die psychologische Zukunft ist die Welt der Möglichkeiten. Sie ist ein Universum der Fülle, voll mit unendlich vielen Chancen, Gelegenheiten und Qualitäten, die darauf warten genutzt zu werden. Wird heute eine Chance nicht genutzt, bringt der morgige Tag zehn weitere Chancen. Werden diese auch nicht genutzt, kommen 100 weitere Chancen, außer, das persönliche Bewusstsein verschließt sich der kommenden Zukunft. –
Das Selbstverständnis des Menschen der dritten Matrix lautet: "Ich bin, was ich werde."
Die Kraft liegt im Werden begründet. Das Lebensmotto könnte lauten: In Kooperation mit der Evolution, aktiv, achtsam, lebendig und wach – leben in der Gegenwart für die Zukunft (anstatt für die Vergangenheit) – in der Welt, aber nicht von dieser Welt - in der Gegenwart leben und von der Zukunft sein.
Während die Gegenwart in der Zeit das Tor zur Ewigkeit darstellt, insofern auch zeitlos ist, könnte man von der Zukunft sagen, dass sie überzeitlich ist, indem sie in die Gegenwart hineinwirkt, ohne von der Zeit zu sein.

Zusammenspiel der drei Matrizen

"Das Modell der drei Matrizen soll nicht den Eindruck erwecken, als ob eine Matrix die vorherige vernichtet. Ein Mensch, der in der zweiten Matrix lebt, kann sich trotzdem an vergangene Erlebnisse erinnern, wenn er will.
Im Unterschied zur ersten Matrix identifiziert er sich jedoch nicht mit seiner Vergangenheit, sondern kann frei entscheiden, was er weiterhin so machen will wie bisher und was er ändern und neu beginnen möchte. – Das Bewusstsein, das in der zweiten Matrix erwacht, erkennt die letztendliche Vergänglichkeit und Relativität aller zeitlichen konditionierten Erscheinungen. Wenn die Vergangenheit im Verstand und Gemüt keinen Nachhall erzeugt, wird der Geist leer und offen für Gegenwart und Zukunft.
Das in der dritten Matrix erwachte Bewusstsein erkennt sich darüber hinaus als Schöpfer seiner Zukunft. Es schöpft aus der Fülle der Möglichkeiten eine Chance und macht das Beste daraus. – Wenn der Vergangenheitsstruktur ihre aufrechterhaltene und gestalterische Kraft genommen wird, taucht die Frage auf:'Wofür lebe ich und was soll ich tun?'. Das Tun muss nicht zwangsläufig eine Fortführung der alten Gewohnheiten bedeuten. Die Arbeit an Visionen ist daher eine sehr wertvolle und inspirierende therapeutische Maßnahme und ersetzt oft unzählige Sitzungen, in denen immer wieder aufs Neue die Vergangenheit ausgebreitet und durchgekaut wird."

Die weiteren Kapitel

In den beiden folgenden Kapiteln geht es um verschiedene "Ebenen des Verhaltens und Erlebens", das Aufzeigen verschiedener Arten von Identifikationen und der damit verbundenen Problematik. Es wird beschrieben, wie daraus ein "Transformationsstau" entsteht. Schließlich wird erläutert, wie sich aus diesen verschiedenen Identifikationen eine Persönlichkeit definieren lässt.

Weitere zwei Kapitel erläutern die "Dimension des Bewusstseins" sowie ein "Phasenmodell der Transpersonalen Verhaltenstherapie".

Die folgenden 125 Seiten des Buches sind Fallbeispielen zu entsprechenden Krisen gewidmet. Dabei werden zwei Arten von Krisen unterschieden:

  • Krisen mit überwiegend neurotischem Symptomcharakter
  • Krisen in Zusammenhang mit Spiritualität.

Zur ersten Kategorie gibt es Fallbeispiele zu den Problemen:
Panik – soziale Angst – Depression - Wut – Schuld – Zwänge

Bei der zweiten Kategorie gibt es u.a. Fallbeispiele zu diesen Problemen:
Sinnkrise – Erleuchtungskrise mit psychotischen Elementen – Selbstverleugnung – spirituelle Persönlichkeitsstörungen – Identifikation mit einem spirituellen Lehrer – Selbstwerterhöhung – Identifikation mit einer Schülerrolle – Identifikation mit einem spirituellen Ideal.

Ich habe der Erläuterung der drei Matrizen viel Raum gegeben, weil vor allem die 3. Matrix deutlich macht, weshalb das bekannte Buch von Piero Ferrucci "Werde was du bist" lautet. Ich fand keinen besseren Titel auch für meinen Basis-Workshop als Einführung in die Psychosynthese.

Empfehlen möchte ich dieses Buch vor allem denjenigen, die erkannt haben, dass das Grundproblem ihrer Schwierigkeiten meistens Identifikationen mit etwas sind, was sie zu sein glauben. Diese Identifikationen haben ihre Ursache in der Vergangenheit. Sie agieren aus dem Unbewussten. Das heißt, wer in der ersten Matrix lebt, hat unendlich viele Identifikationen, die ihn blockieren und ihm Lebensfreude nehmen.
Diese Identifikationen, die ich auch als falsche Bilder von sich selbst bezeichne, zu erkennen und sich von ihnen zu lösen, nimmt viel Raum in den Workshops des ZENtrums ein. - Wer den Workshop „Werde was du bist!“ hier schon besucht hat, wird sich an das letzt Bild einer Reihe von Bildern erinnern, die gemalt wurden, bei dem es darum geht, eine Vision zu visualisieren, die den Menschen aufzeigt, auf den man sich zu bewegen möchte. Dies ist ein gutes Beispiel für die dritte Matrix, in der die Zukunft in der Gegenwart erscheinen kann.
Wer aus den oben aufgezeigten Themen bei den Fallbeispielen ein Thema entdeckt, zu dem auch er eine Beziehung hat, dem können diese Fallsbeispiele helfen, nach entsprechender Vorbereitung durch das Lesen der Kapitel zuvor, mit einer veränderten Einstellung diesem Problem zu begegnen und es so zu lösen.

Harald Piron=
Transpersonale Verhaltenstherapie=
Vianova Verlag
ISBN= 978-3-86616-063



Website von Harald Piron: