ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Transkonfessionalität

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 9/2004 - Thema "Transkonfessionalität""

Neben der aktuellen Information über das Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe "ZENtrum aktuell" Autoren und ihre Veröffentlichungen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums eng verbunden sind. Anliegen dieses Briefes ist es, zwei Autoren und Lehrer mit ihren Aussagen zum Thema "Transkonfessionalität" aus ihren Büchern vorzustellen.

Es sind Willigis Jäger, Benediktinermönch und Zenmeister sowie Claus Eurich, Professor der Kommunikationswissenschaft und Meditationslehrer.

Auszug aus "Suche nach der Wahrheit" von Willigis Jaeger

Seite 63

"Religion in der herkömmlichen Form als Konfession war für den Menschen und sein Überleben so notwendig wie Wasser, Luft und Nahrung. Er brauchte diese tradierten Hoffnungsbilder als Sinngebung für sein Leben. Religion ist in dieser Hinsicht ein wichtiger Faktor der Evolution. Bei all der Not und der Bedrohung, die den Menschen befallen kann, entfaltete sich in ihm die Ursehnsucht alles Geschöpflichen nach Geborgenheit, Heimat, Angenommensein. Darin zeigt sich eine transkonfessionelle Religiosität, die ich Urerfahrung der ersten Wirklichkeit nenne. Sie ist eine sehr subtile transrationale Erfahrung. Sie schöpft aus dem Einheitserleben mit dem kosmischen Geschehen und liegt in der Tiefe unseres Bewusstseins, in der transpersonalen Ebene also. Sie lässt uns sinnenhafte und rationale Wahrnehmungen als Manifestation einer kosmischen, nicht benennbaren Wirklichkeit erfahren. Das führt zu einer "kosmischen Religiosität" zu einer Religiosität, die sich mit der traditionellen mystischen Spiritualität aller Religionen deckt. Im Christentum nennt man sie Mystik, im Judentum Kabbala, Im Islam Sufismus, im Hinduismus Yoga, im Buddhismus Zen oder Vipassana. Die Religionen der Zukunft werden nicht so sehr durch Konfessionen getrennt sein, nicht durch das, was sie bekennen, sondern durch ihre mystisch esoterische oder exoterische Spiritualität. Und was noch wichtiger ist: Die exoterische Religiosität, die ausschließlich auf Schriften, Dogmen, Riten oder Symbolen beruht, wird sich in Richtung einer esoterischen Religiosität, die auf Erfahrung zielt, verlagern. Das meine ich mit dem Begriff postkonfessionelle Religiosität. Sie beruht auf Erfahrung und nicht in erster Linie auf Wissen. "

Auszug aus "Spiritualität und Ethik" von Claus Eurich

Zitiert v. Seite 119 ff

"Die Mystik als Heimatraum einer kosmischen Religion"

Wo die universale Verbundenheit aller Lebensströme erkannt, wo das Zusammenspiel von Spiritualität, Ethos und Lebensführung wahrgenommen und zur Lebenspraxis wird, dort löst sich das Religiöse auf, das seine Identität innerhalb von Grenzlinien behaupten möchte. Es taugt nicht mehr dazu, das tägliche Leben in aller Tiefe und Weite zu bestimmen. Dies ist die Stunde, die das Ende bzw. die Transformierung der alten Religionen einläutet. Das Nicht-anhaften und Loslassen als Kernanforderung der Freiheit betrifft nun die Religionen selbst. Auf dem Prüfstand stehen die Weltbilder, Lehren und Rituale, die transzendente Erfahrungen behindern oder blockieren. Anthropozentrische Heilslehren sowie partikulare Gottesbilder und Gottesverständnisse haben ausgedient. Der Ursprungsimpuls aller Religiösen, nämlich die Suche nach dem Göttlichen und Einen, die Sehnsucht nach dem Absoluten, die Erwartung der Berührung und die Hoffnung auf Heilung und Frieden können nun wieder deutlich hervortreten. Es wird unübersehbar, dass durch das körperliche und kulturelle Anderssein der Religionsstifter hindurch ein gemeinsamer tragender Grund strahlt. Durch ihn liegt das Wesentliche weniger in den Personen als in dem wirkenden und sich verwirklichenden Prinzip. Die alten Religionen geben sich denen, die im Strom dieser Erkenntnis stehen, nun als Brücken zu erkennen. Sie führen in ein Land der Begegnung derer, die zur Mitte wollen und zur Einheit. Dieser Weg trägt den Namen Mystik: Sehnsucht und Suche, Einheit von innerem und äußerem Leben als dynamischer Prozess, Erfahrung des Selbst und die Transpersonalität.

Anmerkung:

Diese von beiden Autoren genannten mystischen Erfahrungen werden in der Psychosynthese "transpersonale Erfahrungen" genannt. Der Zugang zu dieser transpersonalen Ebene und damit zu den Erfahrungen von Einheit und Ganzheit ist ein wesentliches Bestandteil aller Workshops im ZENtrum.

Literatur:

Willigis Jäger: Suche nach der Wahrheit / Vianova Verlag

Willigis Jäger: Suche nach dem Sinn des Lebens / Vianova Verlag

Willigis Jäger: Die Welle ist das Meer / Herder spektrum

Claus Eurich: Spiritualität und Ethik / Kreuz Verlag

Websites:

http://www.willigis-jaeger.de/

http://www.ifj.fb15.uni-dortmund.de/html/personen/eurich/