ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Die heilende Kraft des Scheiterns
-Ein Weg zu Wachstum, Aufbruch und Erneuerung

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 1/2 2007"
Neben aktuellen Informationen zum Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe "ZENtrum aktuell" Autoren und ihre Publikationen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums eng verbunden sind. Anliegen dieses Briefes ist es, das Buch "Die heilende Kraft des Scheiterns" von Claus Eurich vorzustellen.

Eigene Gedanken zum Thema "Scheitern"

Als ich den Titel des Buches im Prospekt des Vianova Verlag entdeckte, habe ich mich rasch entschieden, dieses Buch zu kaufen. Einmal, weil ich den Autor Claus Eurich persönlich bei einem Vortrag kennen gelernt hatte und ich von dem, was er zum Thema Liebe sagte, sehr beeindruckt war. Dann aber auch, weil mir schon seit langem bewusst ist, dass man dem, was man als Scheitern bezeichnet, auch mit einer positiven Einstellung begegnen kann. Mit diesem Begriff ist verbunden, dass etwas zu Ende gegangen ist, was man gerne weiter gelebt hätte: eine berufliche Karriere, eine Beziehung, eine Ehe oder einfach ein bestimmtes Projekt. Es geht etwas zu Ende, was bekannt und vertraut war. Mit dem Ende dieses Lebensabschnittes wird etwas Neues und Unbekanntes ins Leben treten. Das alleine kann schon Ängste auslösen. Es wird sich etwas verändern und was bedeutet das? Vielleicht reicht schon die Angst vor dem Alleinsein aus, um sich unwohl oder sogar verzweifelt zu fühlen. In jedem Fall ist eine gewisse Unsicherheit vorhanden. Scheitern in diesem Sinne ist also grundsätzlich auch mit Ängsten verbunden, die durch das Unbekannte und Nicht-Vertraute der Zukunft hervorgerufen werden. In dieser Erkenntnis liegt auch der positive Aspekt des Scheiterns. Man wird meistens dadurchgezwungen, das eigene Leben neu zu überdenken und neue Perspektiven zu entwickeln. Bietet Scheitern also auch eine Chance zu einem Neuaufbruch? Ich habe viele Menschen in meinen Seminaren und auch in Einzelsitzungen kennen gelernt, für die dies zutrifft, bei denen zum Beispiel das Scheitern ihrer Ehe bzw. von langjährigen Beziehungen zu einem Aufwachen und damit zu einem veränderten Bewusstsein geführt hat. Ein Bewusstsein, zu dem auch das Hinterfragen von Sinn und Bedeutung des eigenen Lebens gehört.

Eheleute betrachten meistens ihre Ehe als gescheitert an, wenn sie sich trennen. Dafür können verschiedene Gründe vorliegen. Ich sehe eine Ehe oder eine langjährige Beziehung bereits dann als gescheitert an, wenn die Grundlage der Ehe und der Beziehung, die Liebe, zwischen den beiden nicht mehr existiert. Auf der anderen Seite ist es möglich, dass die beiden Partner sich auch nach einer Trennung mit Liebe begegnen können.

Und nun zur Vorstellung des Buches von Claus Eurich.

Die heilende Kraft des Scheiterns
Scheitern und Misserfolg als heilsame Chance

(Titel und Text von der Rückseite des Buches)

"Ohnmacht und Scheitern zu erfahren ist ebenso alltäglich wie zu erleben, dass Erwartungen zerbrechen. In unserer Kultur werden diese schmerzhaften Lebenserfahrungen überwiegend verdrängt und als Schwäche des Menschen diskriminiert. Dieses Buch verändert den Blick auf das Scheitern grundlegend: fort vom Makel, hin zu den heilenden Aspekten. Es zeigt, dass Neues nur entstehen kann, wenn Altes sich auflöst bzw. zerbricht. Scheitern wird in diesem Blick zur Chance. Das Buch gibt Hinweise für eine entsprechende Gestaltung des Lebens. Es ist zudem in eine Zeit hinein geschrieben, die im Großen wie im Kleinen von Krisen geschüttelt ist, in der zugleich aber auch die Sehnsucht nach Aufbruch und Erneuerung überall spürbar ist. In Krisen und Grenzerfahrungen wird dieses Buch ein wertvoller Begleiter sein."

Auszüge aus den Inhalt:

Das Buch ist in zwei Hauptkapitel aufgeteilt.
Das erste trägt die Überschrift

Zerbrochene Erwartungen - Das Scheitern

Was heißt scheitern?

Dieser Frage wird nachgegangen, indem man zunächst deutlich macht, dass Scheitern als Grunderfahrung für des Menschen unausweichlich ist.
Zitate aus diesem Kapitel:
"Ob das, was uns widerfährt, uns als 'Scheitern' widerfährt, wie es uns berührt, trifft, verändert und mit welcher Eingriffstiefe, wie wir es also fühlen, das hängt mit unserem Selbstbild zusammen."
"Als ein Sterben inmitten des Lebensstromes, der mich weiterträgt, wird von vielen Menschen das Zerbrechen einer Beziehung, das Ende einer Ehe gesehen und empfunden." (S.11)

Ein Unterkapitel lautet "Endpunkt des Scheiterns - die Verzweiflung."
Zitat:"Wie das Scheitern gehört die Verzweiflung zum menschlichen Sein als Grundmöglichkeit, die jederzeit auf uns zutreten kann. Und wohl jedem Menschen ist sie in einer ihrer vielfältigen Erscheinungsformen schon begegnet - und sei es nur als ihr Erahnen." (S.30)

Fluchtwege

Hiermit ist im besonderen die Verdrängung des Scheiterns gemeint, die wiederum zur Selbstentfremdung führt. Zitat: "Scheitern nicht zulassen und nicht anzunehmen, Versagen sich nicht einzugestehen... vielleicht liegt darin erst das wirkliche, fortgeschrittene Scheitern, das die fortgeschrittene Entfremdung spiegelt. Jetzt bleibt nicht mehr viel, vielleicht noch die in Verbitterung sich steigernde Schuldsuche immer bei den anderen, die projektive Dämonisierung der Um- und Mitwelt." (S.50)

Das zweite Hauptkapitel trägt die Überschrift:

In der Tiefe des Scheiterns liegen die Möglichkeiten des Werdens

Scheitern als der Weg zum Werden

Zitate:
"Das Wesen des Scheiterns liegt in seiner Unwiderrufbarkeit. Mächtig setzt es seinen Grenzstein in die Existenz." - "Im Makrokosmos des Universums, im Medokosmos der Kulturen und im Mikrokosmos des einzelnen Menschen, lebt der Untergang, leben der kleine und der große Bruch in Notwendigkeit und Gleichberechtigung neben dem Glanz und der Größe des Gelingens. Teil des Ganzen sind sie und Voraussetzung. Dies anzuerkennen und zu integrieren wird zur Basis dafür, sich dem Leben gestaltend zu stellen und es selbst zu entwerfen. Was uns eigentlich niederschmettern und dramatisch mindern müsste, wächst nun zur Voraussetzung dafür, dass das Leben sich selbst gerecht wird, indem es sich steigert. Leben will Steigerung, will Entwicklung. Existentielle Herausforderungen und Prüfungen sind der Motor dafür." (S. 54-55)

"Ganzheit zu erfahren durch oder besser in der Bejahung des Vergehenden heißt Bejahung unserer Hilflosigkeit, solange wir von mentalem Stolz erfüllt sind, solange wir uns in grundlegende Täuschungen ergeben, in einen Glauben and das, was wir denken und uns vorstellen zu sein. Die Annahme des Scheiterns holt aus der Verfangenheit in zentrale Lebensillusionen. Mehrdeutigkeiten verdrängen konstruierte Klarheiten und lassen uns einen Blick auf das eigene Leben werfen, das immer auch aus einer Ansammlung von Irrtümern als ehemaligen Wahrheiten bestand und besteht. Diese Irrtümer sind Geschöpfe unseres Denkens. Parzelliert und begrenzt versucht das Denken zu analysieren und sich in Kategorien Sicherheiten zu verschaffen. Kategorien aber ordnen zu und errichten Grenzen. Mehrdeutigkeiten stören da nur. Und selten gibt der Geist sich mit reinem Hinschauen zufrieden - mit dem Schauen, ohne zu werten. Nur dieses enthebt dem Verhaftetsein. Die Einsicht in die Grenzen und in das Begrenzende des kategorialen Denkens führt über das wache Hinschauen zu einer Analyse auf einer höheren Ebene. Auf ihr hat der Mensch begonnen, seinen Ich-Wahrheiten zu entwachsen. Von hier aus kann er sehen, was er ist und was er nicht ist, was er allein und was er in der Verbundenheit der Gemeinschaft der Geschöpfe ist und sein und werden kann. Auf dieser Ebene, die zu erreichen das Abstreifen der Lebensillusionen verlangt, vermag er sich nun endlich seinen Möglichkeiten anzunähern.= In der Annahme und im Durchleben des Scheiterns wird das Sein offenbar. Die Enthüllung der Daseinstäuschungen geben den Blick frei auf die Tiefe des Seins. Jetzt wird es erfahrbar, im Durchschreiten der existentiellen Räume, im Wagnis des Durchschreitens. Es wird erfahrbar in seinen Gebrochenheiten und der Dynamik des Vergehens, in der ungeschminkten Offenheit, mit der jede Zerstörung mir begegnet, wenn ich sie vorbehaltlos anschaue. Was als Unfähigkeit zu vollenden gesehen wurde, zeigt sich nun als Voraussetzung zu vollenden.
Das erfüllte Scheitern sollte also nicht mit passiver Hinnahme verwechselt werden. Man könnte eher von einem aktiven, wachen Dulden sprechen und einer Gelassenheit, die aus der Zeugenschaft mir selbst gegenüber resultiert."= (S. 56-57)

Quelle der Weisheit

"Der Weg des menschlichen Geistes und der menschlichen Seele führt durch das Erkennen hindurch zu den Quellen der Weisheit. Unzählige Irrtümer und entsprechende Korrekturen warten. Das sogenannte 'Schicksal' erweist sich als notwendiger Lernprozess. Leiden und die überall wartenden Abschiede gehören zu den unverzichtbaren Lehrmeistern. Das Leid. Das Daran - Leiden, der Gang durch dunkle Emotionen sind der Schlüssel zu einer Weisheit und Inspiration, die wir nicht anders erlangen können. Es gibt ein Licht, dessen Glanz kann nur erkennen, der das Leiden durchschritten hat. Die Erfahrung dieses Leidens wird zu einer Erfahrung des= Glücks, das wir allerdings nicht mit naiver Freude verwechseln sollten." (S.65-66)

Weitere Kapitel, in denen aufgezeigt wird, wie aus die Erfahrung des Scheiterns Aufbruch und Erneuerung entstehen können, tragen diese Überschriften:

Sehnsucht - Kairos - Kontemplation

  • Göttliche Stimme und Führerin – Die reine Sehnsucht
  • Die menschliche Sehnsucht als Resonanz der Sehnsucht des Göttlichen nach

Wenn das Ewige das Zeitliche berührt

  • In jedem Augenblick beginnt ein neues Sein
  • Sein als vom Zwang des Zeitlichen befreite Energie

Reinigung und Wachstum - Das erfüllte Schweigen

  • Das Endliche übersteigen

Vom Sein zum Werden

  • Wir entwerfen uns selbst
  • Die verwandelte Kraft der Gedanken
  • Existentielle Synthese
  • Die Wunden des Lebens als Augen der Seele

Nur, was du liebend gibst, wird aus der Nichtigkeit gehoben.

  • Kein Werden ohne Liebe
  • Lieben will nicht haben
  • Die Sucht nach Schönheit in der Begegnung
  • Vereinigung stillbarer mit unstillbarer Sehnsucht
  • Die Transzendenz der Liebe
  • Experimentelles Sein und heitere Skepsis
  • u.a.

Text Quelle:
Claus Eurich
Die heilende Kraft des Scheiterns
Vianova-Verlag= ISBN-13: 978-3-86616-043-9 ;

Über den Autor Claus Eurich

Claus Eurich, JG. 1950, ist Professor am Institut für Journalistik der Universität Dortmund mit dem Schwerpunkt Kommunikationswissenschaften/Ethik. Darüber hinaus ist er als Meditationslehrer tätig.
Wichtigste Veröffentlichungen der letzten Jahre:

  • Die Kraft der Sehnsucht. Kontemplation und ökologisches Engagement, München 1996/1998
  • Die Kraft der Friedfertigkeit. Gewaltlos leben. München 2000
  • Spiritualität und Ethik. Unterwegs zu einem Ethos des Einsseins. Stuttgart 2003

Siehe auch Artikel:
Begriff Spiritualität zum Buch "Spiritualität und Ethik" von Claus Eurich