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Neues Bewusstsein

Anlage zum ZENtrum Aktuell 11/12 2008

Eine Website "Neues Bewusstsein leben" ist in Vorbereitung und wird voraussichtlich Ende des Jahres im Internet abrufbar sein. Mit Auszügen von einer CD mit Eckhart Tolle "Sogar die Sonne wird verglühen", zum Thema "Neues Bewusstsein" wird für Interessierte bereits eine Vorbereitung auf dieses Thema angeboten.
(Nachtrag :21.12.2008 > Die Website "Neues Bewusstsein leben" ist online)

Eckhart Tolle - CD "Sogar die Sonne wird verglühen"

Für den 11. September 2001 war mit Eckhart Tolle ein Interview vereinbart worden. Trotz den furchtbaren Ereignissen an diesem Tag hat er dieses Interview nicht abgesagt. Vielmehr ist er auf diese Geschehnisse und ihre tieferen Ursachen eingegangen. Dabei hat er sehr ausführlich begründet, weshalb die Menschheit sich generell in einem Zustand von kollektivem Wahnsinn befindet. Damit die Menschheit überleben kann, macht er die Notwendigkeit zu einem kollektiven Bewusstseinswandel deutlich.
Was das bedeuten würde, erläutert er am Ende der ersten CD. Hieraus Auszüge:

Frage (des Interviewers):
Ich habe Sie öfter davon sprechen hören, dass ein neues Bewusstsein im Entstehen begriffen ist und dass immer mehr Menschen dieses neue Bewusstsein erlangen können. Ich bin, um ehrlich zu sein, nicht sicher, ob dass nicht bloß eine Projektion Ihrer eigenen Erfahrung ist. Ich habe keinen Zweifel, dass sie selbst sich als Mensch entfaltet haben. Aber um mich herum sehe ich keine Anzeichen davon, jedenfalls nicht bei Scharen von Menschen. Nun frage ich mich, ob Sie vielleicht eine Vorahnung haben, dass es so kommen wird. Passiert es in fünf Jahren, in zehn Jahren oder in tausend Jahren. Gibt es einen Zeitplan, eine Zahl und wie soll es eigentlich die Welt verändern?

Eckhart Tolle:
...Ich weiß von keinem Zeitplan. Ich weiß und spüre nur, dass sich etwas beschleunigt. Ich weiß auch, dass unser Planet kaum überleben wird, wenn das alte Bewusstsein mit allem, was das beinhaltet, weitere 100 Jahre auf der Erde vorherrscht. Es ist unwahrscheinlich, dass die Erde, die Natur, das noch länger aushalten kann. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist diese Transformation eine Notwendigkeit für das Überleben der Art. Bei jedem evolutionären Wandel vollzieht sich eine Transformation auf kollektiver Ebene nur dann, wenn die Spezies einen kritischen Punkt erreicht, wenn ohne Transformation ihr Leben bedroht ist. Und das dürfte der Fall sein, wenn die alten Verhaltensmuster weitere 100 Jahre vorherrschen und dabei natürlich noch ein weit größeres Ausmaß erreichen und die Werkzeuge der Zerstörung noch zunehmen. Wenn es so weiter geht, kann die Erde das menschliche Leben keine 100 Jahre mehr erhalten.
Wir haben also zum ersten Mal in der Geschichte einen Punkt erreicht, wo die Transformation des menschlichen Bewusstseins kein Luxus mehr ist. Das mag sie zu Buddhas Zeiten vielleicht gewesen sein. Ein erstes Aufblühen. Jesus, auch eine frühe Blüte. Ein erster Hinweis auf etwas. Vielleicht wussten sie, was geschehen würde, konnten sie schon sehen, wie es weiter gehen würde. Ganz frühe Hinweise dorthin. Und danach noch ein paar Blüten hier und da. Es war jedoch nie eine zwingende Notwendigkeit. Die Erde überlebte trotz des menschlichen Wahnsinns. Aber dann kam der technische Fortschritt. Dann kamen die Naturwissenschaften. Das sind natürlich auch Manifestationen einer großen Intelligenz. Und doch haben Wissenschaft und Technik in großem Maße auch den Wahnsinn verstärkt. Vorher besaßen die Leute ein Schwert. Mit einem Schwert konnte man ein paar Menschen töten. Jetzt kann man mit einer einzigen Waffe Hunderttausende töten. Es hat sich nichts geändert. Bloß die Auswirkungen der Unbewusstheit haben sich vergrößert. Das ist in gewisser Weise eine gute Sache. Denn dadurch sehen wir es viel deutlicher als je zuvor. Der erste Schock traf die Menschen im ersten Weltkrieg mit seinem gewaltigen technischen Zerstörungspotential. Da kam plötzlich der Gedanke auf : "Was haben wir getan". Millionen und Abermillionen junger Männer starben sinnlos in den Schützengräben. Den Leuten gingen die Augen auf. Sie sagten: "Oh, mein Gott". Sie hatten auf einmal einen Blick für den Wahnsinn. Das war aber erst der Anfang des 20. Jahrhunderts. Inzwischen wissen wir, was sonst noch im 20. Jahrhundert passiert ist. Es liegt jetzt offen vor aller Augen und ist nicht mehr zu übersehen. Ich weiß, dass meine Arbeit, mir fällt kein besseres Wort dafür ein, obwohl ich es nicht als Arbeit empfinde, ich weiß, dass meine Arbeit eine Manifestation des neuen Bewusstseins ist. Bricht genug davon durch, vollzieht es sich bei genügend Menschen, so dass die Erde gerettet wird? Ich weiß es nicht, vielleicht, vielleicht nicht.

Frage:
Könnte man sie dann zurecht als eine Art von Mutation bezeichnen?

Eckhart Tolle:
Ja, im Grunde genommen ist es das. Und es ist fast so, als würde sich die Spezies zu etwas Neuem entwickeln. Man könnte fast sagen, dass sich aus der alten eine neue Spezies entwickelt. Um es noch einmal zu wiederholen. Man sollte keinen Egotrip daraus machen und sagen: "Wir sind die neue Spezies, ihr nicht!". Damit wird nur das Alte wiederholt. Doch ja, es ist durchaus der Entstehung einer neuen Art vergleichbar, die deswegen entsteht, weil die alte nicht überleben wird, wenn sie sich nicht verändert.

Frage:
Wie würden sie denn die Grundmuster der neuen Art beschreiben?

Eckhart Tolle:
Die neue Art braucht keine Feinde, keine Dramatik und keine Konflikte mehr, die ihr ein Identitätsgefühl vermitteln würden. Sie wäre folglich bis zu einem hohen Grad frei von Konflikten und dem vom Menschen geschaffenen Leid, das charakteristisch für das alte Bewusstsein ist. Buddha hatte einen guten Blick dafür, als er den Bewusstseinszustand der Befreiung als "frei vom Leiden" beschrieb. Man leidet nicht mehr. Es mag allerdings noch Schmerz da sein, weil Schmerz in gewissem Maße so lange besteht wie es einen physischen Körper gibt. Zahnschmerzen, diese und jene Schmerzen würden sich einstellen. Aber man fügt sich selber kein Leid mehr zu durch Denkstrukturen. Man leidet keine psychischen Qualen mehr, die durch die Ich-Vorstellung im Kopf verursacht werden. Und wenn man sich selbst kein Leid mehr zufügt, fügt man auch anderen kein Leid mehr zu. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden dann nicht mehr wie jetzt von Angst regiert, von Angst und Begierde, den zwei Motiven im Zustand der Unbewusstheit.
Stattdessen, und das sage ich selten und nur unter Vorbehalt, weil das, worauf hingewiesen wird, so kostbar ist und sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt, werden die zwischenmenschlichen Beziehungen von Liebe und Mitgefühl regiert werden. Nicht von einer Liebe, die sagt, "Ich brauche dich. Wage es bloß nicht, mich zu verlassen, denn ich werde das und das tun, wenn Du mich verlässt. Das ist die so genannte Liebe des alten Bewusstseins. Lieben heißt, einfach im Anderen sich selbst zu erkennen.
Die Erkenntnis des Einsseins ist Liebe. Und bei allen Interaktionen im Anderen sich selbst zu erkennen. Nicht mehr zu interagieren, indem man sich ein Bild von der betreffenden Person macht, sie mit ihrer Form identifiziert. Da man selbst über die Identifikation mit der Form hinausgegangen ist, braucht man auch für andere keine Fallen, Kästchen und Schablonen mehr. Dann waltet die Liebe.
Wir können uns auch nicht annähernd vorstellen, wie die Welt aussehen würde, wenn die Menschheit in diesem neuen Bewusstseinszustand wäre. Ich will auch keine Spekulationen anstellen, obwohl man es könnte. Mit Sicherheit würde man die Strukturen von Menschenhand nicht wiedererkennen. Sie wären völlig anders als jetzt.
Diese Erde wäre ein Paradies. Sie ist ein Paradies. Die Menschen haben zwar alles daran gesetzt, sie zur Hölle zu machen. Aber sie ist immer noch paradiesisch schön.
Ich will auch nicht behaupten, dass auf der Ebene der Formen keine Beschränkungen mehr bestehen würden. Formen würden weiterhin kommen und gehen. Und doch ist Harmonie möglich. Und doch kann man in Harmonie mit der Vergänglichkeit aller Erscheinungsformen leben, im Zustand der Liebe leben. Dann liebt man alle Erscheinungsformen nicht ihrer Form wegen sondern man lebt die Essenz jeder Erscheinungsform. Das "Eine Leben", das sich in Millionen Lebensformen manifestiert. Man liebt das "Eine Leben", dessen Millionen Formen nur zeitweilige Manifestationen sind. Liebt in ihm sich selbst. Das ist das neue Bewusstsein."

Quelle der Zitate:

Eckhart Tolle:
Sogar die Sonne wird verglühen
2 CDs Goldmann-Arkadia Audio

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