ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Meditationen des Ökophilosophen Henryk Skolimowski

Der Stille zuhören

In den tiefen Brunnen der Stille im Alleinsein finden wir inneren Frieden, Inspirationen und die sprudelnde Quelle der Kreativität. Alle großen Werke sind Empfängnisse der Stille. Die Stille der Wüste half Jesus auf seiner Suche nach der neuen menschlichen Moral. Tage und nächtelang hüllte den Buddha die Stille des Banjan - Baumes ein, als er der Erleuchtung näher kam. Große Kunst wird in der Stille empfangen, bevor sie in Marmor, auf Leinwand oder in Gedichtzeilen manifestiert wird. Über große Ideen wird manchmal lang im Alleinsein gesonnen, bis sie in ausformulierten Sätzen zutage treten.

Anders als die unfreiwillige Einsamkeit, die wir als Elend, Seelenqual und Weltverlassenheit fühlen, ist freiwilliges Alleinsein ein sinnvoller Zustand, den wir um seiner selbst Willen aufsuchen.

Es gibt noch Orte auf der Erde, in den Dörfern der Anden und des Himalayas, in den abgelegenen bergigen Teilen Griechenlands, wo die Stille gleichsam widerhallt, wo man die Sterne singen hören kann, während man nachts die majestätische Milchstraße betrachtet. In diese Stille eingetaucht, beginnt man zu verstehen, was die alten Griechen zu ihren herausragenden Leistungen befähigt hat.

Heute können wir uns kaum vorstellen, dass bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die Stille der selbstverständliche Zustand in den Siedlungen der Menschen war. Stille bringt meistens das Gefühl eines weiten Raums um sich herum mit. Kultiviert man die Stille, erschafft man selbst einen weiteren Raum um sich herum. Deshalb ist Meditation wichtig. Meditation schafft den Raum der Stille. Stille schafft die Bedingungen für Kreativität und gesundes Leben.

Stille ist nötig, um die Bedeutung des Menschen immer wieder neu zu erfahren. Im Yoga der Stille. Findest du zurück zu den inneren Quellen, wo Frieden, Kreativität und Bedeutung entspringen.

Nachts, wenn das Getriebe der menschlichen Zivilisation zur Ruhe gekommen ist, setz dich bequem auf einen Stuhl und höre einfach der Stille zu. Genieße die Qualität der Stille. Erfahre, wie viel Besser du dich in mitten der Stille fühlst. Wann immer sich im täglichen Leben eine ruhige Minute ergibt, gib dich der Stille hin, auch wenn es nur für eine oder zwei Minuten ist. Sich hinzusetzen, ohne etwas zu tun, ist nicht eitler Luxus, denn Stille schafft Konzentration und "erschafft" letztlich die Zeit, in dem sie uns von unserem gequälten Gehetztsein befreit, mit dem wir so viel Zeit vergeuden. Erinnere dich: Zeit ist dein Freund.

Henryk Skolimowski hält den Lehrstuhl für Ökophilosophie and der Universität Warschau in Polen. Er lehrte von 1964 bis 1992 an amerikanischen Universitäten und gibt Workshops auf der ganzen Welt. Die "Meditationen" sind dem vergriffenen Buch "Eco Yoga" entnommen, in dem Skolimowski Übungen für ein Leben vorschlägt, dass die Erde als Heiligtum begreift. Sein wichtigstes Werk ist "Participatory Mind", in Deutsch erschien 1981 sein Buch "Ökophilosophie" (C.E. Müller, Karlsruhe)