ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Zum Leben erwachen

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 11/12 2018 :

„Wirklich als Mensch auf dieser Welt zu leben, ist etwas ganz Seltenes.
Die meisten Menschen existieren, und das ist alles“.
Oscar Wilde


Neben der aktuellen Information über das Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe 'ZENtrum aktuell', Autoren und ihre Veröffentlichungen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums wie auch mit denen meines Buches 'Das Leben leben' eng verbunden sind. Im Folgenden sind es Zitate aus einem Zen-Kalender, die dazu anregen, sich bewusst zu machen, ob man selbst als menschliches Wesen wirklich lebt oder im Sinne von Oscar Wilde überwiegend „nur“ existiert.

Einleitung zu den Zitaten

Die im Folgenden aufgeführten und kommentierten Zitate habe ich aus meinem „ZEN-Kalender 2018“ ausgewählt und aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Sie stammen von Weisheits-Lehrern, östlichen und westlichen Philosophen, Psychologen und Schriftstellern.


" Wenn ein Rosenbusch beginnt, ein Rosenbusch zu werden, wird er verrückt. Er ist bereits ein Rosenbusch. Zen sagt, dass man sich in einer Art von Dämmerschlaf befindet, man hat vergessen, wer man ist, das ist alles. Es muss nichts getan werden, man muss sich nur erinnern."
Osho

Kommentar: Der Rosenbusch muss sich nicht bemühen, sich seiner wahren Natur bewusst zu werden. Er lebt bereits aus ihr. Beim Menschen ist das anders. Wir haben vergessen, was unsere wahre Natur ist. Wir haben ein Bild von uns entwickelt, das aus falschen Identitäten besteht, die uns von außen vermittelt worden sind. Wenn das Kind aus seinem unbewusst lebenden Zustand zu einem Ich-Bewusstsein erwacht, hört es unentwegt Sätze, die mit „Du bist…..“ beginnen. Diese Botschaften führen zu diesen falschen Identitäten, zu einem Falsches Selbst, das eine Trennung von unserer wahren Natur, unserem Wahren Selbst, zur Folge hat.



" Wohlbefinden (Well-Being) bedeutet, wirklich ganz geboren zu sein, das zu werden, was in unserem Potential angelegt ist. Das bedeutet, die volle Kapazität für Freude und Traurigkeit zu leben. Um den Unterschied noch deutlicher zu machen, es bedeutet, von dem Halbschlaf, in dem der durchschnittliche Mensch lebt, zu einem völlig erwachten Menschen zu werden. "
Erich Fromm

Kommentar: Erich Fromm macht deutlich, dass man aus einem Halbschlaf erwachen muss, um sich in seinem Leben wohlfühlen zu können, ein Leben, das man lieben und in dem man sein Potential entwickeln kann.



"Alles, was du brauchst ist, dich von dieser Tendenz, sich mit etwas identifizieren zu müssen, zu befreien."
Nisargadatta Maharaj
"Letztendlich bedeutet Spiritualität einfach, Ganzheit und Verbundenheit zu erfahren, zu erkennen, dass Individualität und das Absolute miteinander verflochten sind, dass nichts getrennt oder irrelevant ist. Wenn man dies auf diese Weise betrachtet, dann wird in einem tiefen Sinne alles spirituell.
Wissenschaftlich zu arbeiten wird spirituell, wie auch das Geschirr zu reinigen. Es ist die innere Erfahrung, die zählt. Und du musst dafür wirklich da sein. Alles andere sind bloße Gedanken."
Jon Kabat Zinn

Kommentar: In der tiefen Erfahrung von Ganzheit und Verbundenheit gibt es keine Identifikationen. Der Weg der Spiritualität führt zu dieser Befreiung. Er basiert auf dieser Erfahrung, dass wir nicht von der Ganzheit des Universums getrennte Lebewesen, sondern Teil eines größeren Ganzen sind. Dieser Weg führt vom Ego-Bewusstsein, das Identifikationen braucht, um existieren zu können, zu einem Bewusstsein, das über die Person hinausgeht und daher auch transpersonal genannt wird.



"Werde zu dem Raum, in dem Du alles willkommen heißt, ohne es zu bewerten."
Tso Knyi Rinponche
"Wenn ich Erleuchtung kurz zu definieren habe, dann würde ich sagen, sie ist ‚die stille Akzeptanz von allem was ist".

Wayne Dyer

Kommentar: Diese beiden Zitate weisen auf die Qualität eines „erleuchtenden“ (erwachten) Bewusstseins hin, in dem reine Wahrnehmung ohne Bewertung geschieht. „Es ist so wie es ist.“ Dieses Bewusstsein ist unbegrenzter Raum. - Meditation führt in diesen Raum“, so ein Zitat von Sogyal Rinpoche. Wenn man regelmäßig das Bewusstsein dieses unendlichen Raums u.a. durch Meditation kultiviert, wird es immer leichter, aus diesem Bewusstsein auch im Alltag zu leben.



"Ein ruhiger Geist (mind) ist alles, was Du brauchst. Alles, was dann geschieht ist richtig, wenn der Geist ruhig ist."
Nisargadatta Maharaj
"Lebe in der Gegenwart und finde die Ewigkeit in jedem Augenblick!"
Henry David Thoreau

Kommentar:
Das Jetzt und die Ewigkeit sind das Gleiche. Das bringt der große amerikanische Philosoph Thoreau mit diesem Zitat zum Ausdruck. Ohne Denken, gibt es keine Zeit, keine Vergangenheit und keine Ewigkeit. Das entspricht einer anderen spirituellen Weisheit, dass es dann auch keine Geburt und keinen Tod geben kann. In diesem Bewusstsein ist man frei von Zukunftsängsten. Erforderlich hierfür ist, dass der Geist zur Ruhe kommt, der akzeptiert, was ist, und nicht mehr bewertet. Dies setzt voraus, dass man in der Gegenwart lebt.



"Innerhalb Deines Selbst existiert eine Stille, ein Heiligtum, zu dem Du Dich jederzeit zurückziehen und du selbst sein kannst."
Hermann Hesse

Möglicherweise ist man verwundert, dass dieses Zitat, eine tiefe spirituelle Wahrheit, von Hermann Hesse stammt. Wenn man sich dieses „Heiligtums“ in sich selbst bewusst ist und ein regelmäßiges Zurückziehen in dieses „Heiligtum“ praktiziert, ist man wahrhaft bei sich zuhause angekommen. „Ich bin angekommen, ich bin zuhause“ bezeichnet Thich Nat Than als die kürzeste buddhistische Predigt.



"Ein Mensch kann nur sich selbst sein, so lange er wirklich allein ist. Wenn er dieses Alleinsein nicht liebt, wird er auch nicht die Freiheit lieben. Denn nur wenn er allein ist, ist er frei."
Arthur Schoppenhauer

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Zitat sehr provozierend wirken kann, denn in unserer Kultur wird Alleinsein überwiegend mit Einsamkeit gleichgesetzt, selbst in Lexiken. Viele Menschen fühlen sich tatsächlich immer einsam, wenn sie allein sind. Sie laufen vor der Stille, die häufig damit verbunden ist, davon.
Schopenhauer aber behauptet, dass nur das Wertschätzen und Genießen von Alleinsein frei macht. Alleinsein können, ohne sich dabei einsam zu fühlen, setzt voraus, dass man in einer guten Beziehung zu sich selbst lebt. Das ist wohl der Kern dessen, was Arthur Schoppenhauer hier zum Ausdruck bringen will. Folgerichtig kann man dann daraus schließen, dass man ohne diese gute Beziehung zu sich selbst, auch nicht frei sein kann. Man braucht andere, um „glücklich“ sein zu können.



"Unser größtes und glorreiches Meisterstück ist es, ein angemessenes Leben zu führen."
Michel der Montaigne

Mit diesem Zitat von Michel de Montaigne (1533 – 1592) französischer Philosoph und Humanist, der in seiner Zeit bereits in wunderbarer Weise in seinen Essays beschrieben hat, was es bedeutet, ein „angemessenes“ Leben als menschliches Wesen auf dieser Erde zu führen, schließe ich diese Zitatensammlung ab.
Gibt es ein größeres Meisterstück, als am Ende seines Leben sagen zu können, trotz der vielen Herausforderungen habe ich mein Leben gemeistert, ich habe wirklich gelebt?



Quelle der ZEN-Zitate:

  • Zen Page-A-Day Calendar 2018 (Working Publishing New York)

Weitere Empfehlungen zum Thema "Leben":

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