ZENtrum für Psychosynthese und Meditation
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Viktor Frankl (1905-1997 ) -Logotherapie

Anlage zum "ZENtrum Aktuell 3-4/2005 - Thema: Logotheraphie

Neben der aktuellen Information zum Workshop-Programm ist das Anliegen der Info-Briefe "ZENtrum aktuell" Autoren und ihre Veröffentlichungen vorzustellen, deren Themen mit dem Geist und den Zielen des ZENtrums eng verbunden sind. Anliegen dieses Briefes ist es, Viktor Frankl und sein Modell der Logotherapie vorzustellen .

Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien, zugleich aber auch Professor für die von ihm begründete Logotherapie an der International University in San Diego, Kalifornien. Außerdem hatte er Professuren an der Harvard University, an der Stanford University und an den Universitäten in Dallas und Pittsburgh inne.

Der Seele Heimat ist der Sinn
- Logotherapie in Gleichnissen von Viktor E. Frankl

Zusammengestellt und kommentiert von Elisabeth Lukas

Inhaltsverzeichnis

  • Prolog
  • Geeignete Gleichnisse
  • Wer bist du, o Mensch
  • Worin die Psychosynthese irrt
  • Die einzigartige Person
  • Wie viel Freiheit haben wir
  • Der (Alp)-Traum vom Glück
  • Seelische Fehlhaltungen
  • Professionelle Behandlung
  • Das "Sinn-Organ" Gewissen
  • Vom Sinn des Lebens
  • Weltanschauung und Wirklichkeit
  • Depression, Leid, Schuld
  • Zeit und Vergänglichkeit
  • Glaube und Religiosität
  • und über uns der Himmel
  • Ein Zwerg auf der Schulter

Hier das Zitat von Viktor Frankl im ersten Kapitel "Wer bist du, o Mensch"

Das Geistige ist nicht etwas, das den Menschen bloß kennzeichnet, nicht anders als etwa das Leibliche und das Seelische dies tun, die ja auch einem Tier eignen; sondern das Geistige ist etwas, das den Menschen auszeichnet, das nur ihm und erst ihm zukommt.

Ein Flugzeug hört selbstverständlich nicht auf, eines zu sein, auch wenn es sich nur auf dem Boden bewegt; es kann, es muss sich immer wieder auf dem Boden bewegen! Aber dass es ein Flugzeug ist, beweist es erst, sobald es sich in die Lüfte bewegt - und analog beginnt der Mensch, sich als Mensch zu verhalten, nur wenn er aus der Ebene psychophysisch- organismischer Faktizität heraus- und sich selbst entgegentreten kann - ohne darum auch schon sich selbst entgegentreten zu müssen. Dieses Können heißt eben existieren, und existieren meint: über sich selbst immer auch schon hinaus zu sein.

Zitat aus Viktor E. Frankl, Logotherapie und Existenzanalyse, S.72/73

Dieses Zitat wird nun wie folgt kommentiert von Elisabeth Lukas.

"Die Franklsche Logotherapie hat ein uralt-biblisches und trotzdem heute noch faszinierendes Menschenbild zum Fundament, nämlich das Bild eines leiblich-seelischen Wesens, dem ,der Geist eingehaucht worden ist'. Dieser ,Geist' meint nicht die kognitive Fähigkeit, Wissen zu entwickeln und anzusammeln. Er meint weder Intellekt, noch Intelligenz, was beides zur seelisch-psychischen Grundausstattung des Menschen zählt und sich in Ansätzen auch bei höheren Säugetieren findet. Die ,eingehauchte" geistige Dimension ist aus logotherapeutischer Sicht das spezifisch Humane, das keinem anderen Lebewesen auf Erden eignet als nur dem Menschen allein. Was aber ist "spezifisch human"? Was unterscheidet uns Menschen von höheren Säugetieren? Eine im Raum nüchterner Wissenschaftlichkeit spannende Frage, die zunächst zögern lässt. Hunde, Pferde, Affen und sogar Delphine haben verhaltensmäßig große Ähnlichkeiten mit uns. Wo und wann enden solche Ähnlichkeiten, wo und wann beginnt menschliche Existenz in ihrer Unvergleichbarkeit?

Viktor Frankl verwies auf das Flugzeug, das sich genauso wie andere Fahrzeuge auf den Straßen bewegen kann. Was unterscheidet es von Autos, Bussen, Kranwägen oder Sattelschleppern? Gewiss seine Baurart divergiert ein wenig, aber schließlich besitzt es genauso Rumpf mit Fenstern, Sitzen, Rädern und Motoren. Analog divergiert die menschliche Bauart von der tierischen und ist doch nach denselben biologischen Prinzipien konstruiert. Nein, was Flugzeuge von Nichtflugzeugen unterscheidet, ist nicht ihre äußere Form, sondern ihre Potenz, sich in die Lüfte zu erheben'.

So ist auch der Mensch ein Wesen, das sich über seine ,psycho-physisch-organismische Faktizität', das heißt über sich selbst, über seine jeweilige Verfassung, über seine Herkunft, über seine Geschichte etc. erheben kann. Er muss es nicht, und zum Glück braucht er es auch nicht ständig, aber er kann es: Er kann stärker sein als die stärkste Prägung oder der stärkste Instinkt in ihm selbst, er kann verändern, wo er scheinbar festgelegt ist. Die "Lüfte" über ihm sind jenes winzige Stückchen Freiheit, in die er sich aus seiner Erdenschwerkraft emporschwingen kann und darf, um wahres Menschentum zu bezeugen."

Ende des Kommentars

Dieses in voller Länge als Beispiel aufgeführte Kapitel zeigt die Struktur des ganzen Buches auf: Erst ein Zitat von Frankl mit einem Gleichnis und dann der erläuternde in unseren Alltag übersetzte Kommentar von Elisabeth Lukas.

Literaturhinweise:

Viktor E. Frankl
Der Wille zum Sinn
Verlag: Piper, München, 1997

Viktor E. Frankl
Der unbewusste Gott
Verlag: dtv, München, 1997

Elisabeth Lukas
Der Seele Heimat ist der Sinn
Verlag:Kösel, 2005

Daneben existieren noch viele andere Bücher von diesen beiden Autoren.

weiterführende Website zu Elisabeth Lukas und Logotherapie: